Biologische Station Minden-Lübbecke e. V.

Naturschutzgebiet "Nordholz"

Das Naturschutzgebiet "Nordholz" liegt nördlich von Todtenhausen am Rande des Waldgebietes "Heisterholz" und ist Teil des FFH-Gebietes "Heisterholz". Es umfasst die Ländereien des ehemaligen Gutes Nordholz und umschließt den Gebäudekomplex des ehemaligen Gutshofes. Das gesamte Anwesen wurde Ende der 1980iger Jahre vom Kreis Minden-Lübbecke erworben und unter Naturschutzgesichtspunkten umgestaltet.

Die restaurierten Gebäude beherbergen seitdem das Umweltzentrum des Kreises Minden-Lübbecke. In zwei dieser Gebäude ist die Biologischen Station Minden-Lübbecke untergebracht. Im dritten Gebäude befindet sich die Begegnungsstätte des Kreises Minden-Lübbecke und das Café "Kaffeesatz".  Die hofnahen Bereiche im Südwesten sind durch einen Naturlehrpfad erschlosssen.

Die standörtlichen Verhältnisse des Gebietes werden durch einen abwechslungsreichen geologischen Untergrund bestimmt. Im Nordwesten des Gebietes steht Geschiebelehm über Schieferton an. Der überwiegende Teil des Gebietes wird durch Geschiebemergel geprägt. Im Nordosten sind jedoch auch Böden aus Flugdecksand (Feinsand über Geschiebelehm) anzutreffen.

Das NSG "Nordholz" zeichnet sich durch einen ausgesprochen vielfältigen Biotopkomplex aus Aufforstungen mit bodenständigen Baum- und Straucharten, verschiedenen Kleingehölzen, Brachflächen, Extensivgrünland, Magerrasen, naturnahen Kleingewässern und Sumpfbereichen aus.

Vor allem im Süden des Gebietes wurden umfangreiche Aufforstungen mit Arten der Eichen-Hainbuchen- und Buchen-Eichenwälder vorgenommen. Diese befinden sich derzeit im Stangenholzstadium. In einer Lichtung innerhalb der Aufforstungsflächen liegt ein strukturreiches Kleingewässer mit gut ausgebildeter Röhricht- und Hydrophytenvegetation.

Im Nordwesten des Gebietes befindet sich eine ausgedehnte Brachfläche. Hier wurden an den Rändern Schlehen-Weißdornhecken und in der Fläche kleinere Gehölzgruppen angepflanzt. Den Großteil der Fläche nehmen Ruderale Glatthaferfluren, z.T. mit Feuchtezeigern, ein. Am südlichen Rand wachsen ausgedehnte Glanzgras-Röhrichte. In der Osthälfte der Brachfläche liegt ein temporäres Kleingewässer mit Pionierröhrichten und Kleinseggenrasen.Hier kommt u.a. die in NRW stark gefährdete, glänzende Binsenjungfer (Lestes dryas) vor.

Der Nordosten des Gebietes, im Umfeld des ehemaligen Gutshofes, weist ein besonders vielfältiges Lebensraummosaik auf. Eingebettet in ausgesprochen artenreiche Glatthaferwiesen, Feuchtwiesen, Feucht- und Magerweiden, Flutrasen, Mädesüßfluren und Borstgras-Magerrasen befinden sich hier 8 unterschiedlich große, naturnahe Kleingewässer und eine ehemalige Schilf-Kläranlage. Die Kleingewässer zeichnen sich durch eine vielfältige Gewässervegetation aus verschiedenen Röhrichten, Binsenriedern, Schwimm- und Tauchblattpflanzengesellschaften aus. Besondere Bedeutung kommt den Gewässern als Laichgewässer einer großen Population des bedrohten Kammmolchs zu. Alljährlich suchen über 500 Kammmolche die Stillgewässer im Gebiet auf! Neben einer Reihe weiterer Amphibienarten ist besonders das Vorkommen des Laubfroschs erwähnenswert. Die Gewässer beherbergen außerdem eine artenreiche Libellenfauna mit einer Reihe von bedrohten Arten wie der Kleinen Binsenjungfer (Lestes virens), der Kleinen Mosaikjungfer (Brachythron pratense) und der Smaragdlibelle (Cordulia aenaea).

Im Umfeld der Kleingewässer, im Feuchtgrünland und im Bereich ruderaler Grasfluren und Säume treten etliche bedrohte, feuchtgebietstypische Heuschreckenarten wie die Sumpfschrecke (Stethophyma grossum), die Große Goldschrecke (Chrysochraon dispar) und der Wiesen-Grashüpfer (Chorthippus dorsatus) auf.Zur Habitat- und Strukturvielfalt tragen in diesem Teil des Gebietes verschiedensten Kleingehölze wie Baumreihen und -gruppen, Kopfweidenbestände, Grauweidengebüsche, Schlehen-Weißdorn-Feldhecken, alte Stieleichen-Hofgehölze und eine Obstwiese bei. An Graben-, Gehölz- und Wegrändern wachsen zusätzlich ruderale Gras- und Hochstaudenfluren. Vor allem im Bereich der Gewässer aber auch im feuchten und/oder mageren Grünland sowie im Bereich eines Borstgras-Magerrasens wächst eine Vielzahl von Pflanzenarten der Roten Liste NRW.

Von der Lebenraumvielfalt im Gebiet profitiert auch eine artenreiche Brutvogelfauna. So kommen hier u.a. bedrohte Arten halboffener Kulturlandschaften wie Neuntöter und Dorngrasmücke, gewässerbewohnende Arten wie Zwergtaucher, Teichralle und Teichrohrsänger sowie Gehölzbewohner wie Nachtigall und Turteltaube vor.

Die Grünlandflächen im Gebiet werden seit vielen Jahren extensiv genutzt. Die südlich und westlich des Gebäudekomplexes liegenden Flächen unterliegen einer einschürigen Wiesennutzung. Die im Osten liegenden Grünlandflächen werden extensiv beweidet. Zur Offenhaltung der wertvollen Stillgewässer und angrenzender Sumpfbereiche, der bodensauren Magerrasen und artenreichen ruderalen Grasfluren werden im Spätsommer/Herbst regelmäßig Teilflächen gemäht und entbuscht.

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