Biologische Station Minden-Lübbecke e. V.

EU Vogelschutzgebiet "Weseraue"

Aufgrund ihrer naturräumlichen Lage und Biotopausstattung besitzt die Petershäger Weseraue eine internationale Bedeutung für die Vogelwelt der Feuchtgebiete und Auen. So dient sie als Rast- und Überwinterungsgebiet für eine Vielzahl von Wat- und Wasservogelarten. Besonders bedeutsam sind z.B. die Bestände von nordischen Bläßgänsen, Sing- und Zwergschwan, Schellente und Goldregenpfeifer. Insbesondere für diese wandernden Vogelarten stellt das Gebiet einen wichtigen Trittsteinbiotop im internationalen Biotopverbund dar. Dies hat letztlich auch zur Anmeldung des Gebietes als EU-Vogelschutzgebiet geführt.

Das ca. 3000 ha große EU-Vogelschutzgebiet "Weseraue" besteht im Wesentlichen aus dem rund 1000 ha großen, als Naturschutzgebiet "Weseraue" ausgewiesenen ufernahen Grünland. Davon eingeschlossen sind sechs "Kernnaturschutzgebiete" mit einer Gesamtgröße von ca. 700 ha. Das Kernnaturschutzgebiet "Staustufe Schlüsselburg" wird vom gestauten 5,5 km langen "Oberwasser" der Weserschleife bei Schlüsselburg mitsamt den schmalen zwischen den Weserdeichen gelegenen Uferwiesen gebildet. Die Kernnaturschutzgebiete "Häverner Marsch", "Grube Baltus", "Mittelweser", "Windheimer Marsch" und "Lahder Marsch" bestehen vorwiegend aus renaturierten Kiesabgrabungen. Bei den übrigen Flächen handelt es sich hauptsächlich um Ackerland, welches vorwiegend als Rast- und Nahrungsgebiet für die Vogelwelt dient.

Auch über ihre Funktion als Vogelschutzgebiet hinaus ist die Weseraue für den Naturschutz besonders wertvoll. Hierzu trugen und tragen verschiedene Projekte und Maßnahmen des Naturschutzes bei. So wurden zur Sicherung der Lebensräume der letzten westfälischen Weißstörche umfangreiche landwirtschaftliche Flächen im Überflutungsbereich der Weser angekauft und einer naturschutzorientierten Grünlandbewirtschaftung zugeführt. Zur Anreicherung und Wiederherstellung der Lebensraumvielfalt im Gebiet wurden Kleingewässer, Blänken und Flutrinnen angelegt oder wiederhergestellt, Saumstreifen und Brachflächen ausgewiesen, Vernässungsmaßnahmen durchgeführt sowie Feldhecken und andere Feldgehölze gepflanzt. Eine ganze Reihe von ehemaligen Kiesabgrabungen wurden unter Naturschutzgesichtspunkten hergerichtet oder umgestaltet. All dies trägt mittlerweile Früchte und spiegelt sich in einer artenreichen und schutzwürdigen Tier- und Pflanzenwelt wieder.

Kleingewässer und Teile der ehemaligen Kiesabgrabungen haben sich zu wertvollen Auengewässern mit typischen Lebensgemeinschaften entwickelt. So finden sich hier wieder verschiedenste, z.T. bedrohte Libellen-, Heuschrecken-, Amphibien- und Vogelarten. Brachflächen und Säume dienen als Lebensräume für Blüten besuchende Insekten, gefährdete Heuschrecken und Insekten fressende Vogelarten.

Die Einführung einer naturschutzorientierten Grünlandbewirtschaftung hat inzwischen zur Wiederherstellung artenreicherer, auentypischer Grünlandtypen geführt. So haben sich auf vielen Flächen wieder die in NRW gefährdeten Glatthaferwiesen, z.T. in kräuterreichen Ausbildungen, entwickelt. Vereinzelt sind sogar neuerdings typische Stromtalwiesen, wie die in NRW von der Vernichtung bedrohte Wiesenknopf-Silgenwiese, anzutreffen. Kleinflächig tragen außerdem verschiedene Feuchtgrünlandgesellschaften, insbesondere verschiedene Flutrasen, zur Lebensraumvielfalt bei.

Große Teile des EU-Vogelschutzgebietes Weser sind geprägt durch flache Abgrabungsgewässer, welche seltenen Vogelarten Rast-, Nahrungs- und Brutmöglichkeiten bieten. So brüten hier in den Uferzonen und auf den Inseln z. B. die Krick- und die Löffelente sowie der als Küstenbewohner bekannte Austernfischer. Die empfindlichen Röhrichtbereiche dienen als Brutplatz für Teichrohrsänger und Rohrweihe und aus den Brachflächen rund um die Gewässer erschallt alljährlich der Gesang von Rohrammern und Feldschwirlen.

Zahlreiche nordische Gänse und Schwäne überwintern traditionell im EU-Vogelschutzgebiet "Weseraue". Zu nennen sind dabei vor allem die arktischen Bläßgänse, die hier von Mitte Oktober bis Anfang März neben Grau-, Saat- und manchmal auch Kurzschnabelgänsen beobachtet werden können. Dabei nutzen sie, gemeinsam mit Sing-, Zwerg und Höckerschwänen die offene Feldflur als Nahrungsraum, während die Gewässer der Naturschutzgebiete "Grube Baltus" und "Häverner Marsch" zum Trinken und Schlafen aufgesucht werden. Dort tummeln sie sich mit Gänsesägern und Schellenten, die neben zahlreichen anderen Wasservogelarten die ungestörten Gewässer der Schutzgebiete zur Überwinterung nutzen.

In der Brutzeit werden die seit Ende der 1980iger Jahre unter Naturschutzauflagen bewirtschafteten Wiesen und Weiden von verschiedenen Wiesenvögeln besiedelt. Dann kann man u. a. den Singflug der Feldlerchen wahrnehmen, die Wiesenpieper auf ihren Singwarten beim Reviergesang belauschen und die Braunkehlchen bei der Nahrungssuche beobachten. Die Weißstörche, von denen in den umliegenden Dörfern mittlerweile 10 Brutpaare anzutreffen sind, durchkämmen die Wiesen nach Nahrung. In der Dämmerung ist manchmal sogar das "Rätschen" des seltenen Wachtelkönigs zu hören.

Insgesamt betrachtet ist an vielen Stellen des Gebietes wieder eine arten- und strukturreiche Auen-Kulturlandschaft entstanden, wie sie sich noch aus Landschaftsdarstellungen des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts rekonstruieren lässt. Derartige, durch Wiesen und Weiden, verschiedene Kleingehölze wie Feldhecken, Baumgruppen, Kopfweiden, kleinere und größere Gewässer mit Auenwäldern und -gebüschen strukturierte Landschaften besitzen einen erheblichen landschaftsästhetischen Reiz. Hieraus resultiert eine besondere Eignung für die Naherholung und vielfältige Naturerlebnisse.

Weitere Informationen finden Sie auf unserer Webseite www.weseraue.de.

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