Biologische Station Minden-Lübbecke e. V.

Landschaftsentwicklung mit Weidetieren in der Windheimer Marsch

Kiesabbau und die Folgen

Durch die langjährigen Aktivitäten des Kiesabbaues ist in der Windheimer Weseraue eine vielfältige Folgelandschaft entstanden bzw. in der Entstehung begriffen. Diese hat derzeit noch den Charakter einer halboffenen bis offenen Auenlandschaft. Sie wird geprägt durch teilweise wiederverfüllte Abgrabungsgewässer mit offenen Brachflächen und verschiedensten Waldstadien, Grünland- und Ackerflächen.

Kulturlandschaften brauchen Pflege

Die so entstandene halboffene bis offene Kulturlandschaft besitzt eine internationale Bedeutung als Brut-, Rast- und Überwinterungsgebiet für eine Vielzahl von Wasser- und Watvögeln sowie als Nahrungsraum für die in der Weserniederung brütenden Weißstörche (EU-Vogelschutzgebiet). Bei einer Beibehaltung der derzeitigen Nutzung des Gebietes ist jedoch mit einer starken Bewaldung und damit einem Verlust wertvoller Lebensräume für die auentypische Vogelwelt zu rechnen.

Vor diesem Hintergrund veranlasste das Aktionskomitee "Rettet die Weißstörche im Kreis Minden-Lübbecke" e.V. die Aufstellung eines "Beweidungskonzeptes", dass, als Alternative zu einer kostenintensiven maschinellen Pflege vieler Flächen, eine an natürlichen Vorbildern orientierte großflächige Beweidung mit robusten Rindern und Pferden vorsieht. Diese sollen durch ihren Verbiss die Ausbreitung von Gehölzen begrenzen und die Entwicklung von offenen Gras- und Krautfluren, Röhrichten und Flutrasen fördern. Eine wichtige Rolle kommt ihnen auch bei der Offenhaltung von Gewässerufern und der Schaffung wertvoller Pionierlebensräume wie Schlammflächen, Abbruchkanten und anderen Rohbodenstandorten zu.

Schematische Darstellung der typischen Elemente einer Weidelandschaft (aus Pott & Hüppe 1991)

 

Vorbild Naturlandschaft

Auch in der vom Menschen noch wenig beeinflussten Urlandschaft spielten nach Beendigung der letzten Eiszeiten vermutlich große Pflanzenfresser wie Hirsche, Wildpferde und Wildrinder (z.B. Auerochse und Wisent) eine wichtige Rolle bei der Entstehung halboffener Landschaften. Durch die menschliche Hutewirtschaft, das "Abhüten" von Heiden, Auenlandschaften, aber auch Wäldern mit verschiedensten Weidetieren, entstanden bis in das 19. Jahrhundert ähnlich strukturierte Landschaftsbilder.

Konik-Pferde

Für das Beweidungsprojekt Windheimer Marsch wurde das bereits in ähnlichen Projekten eingesetzte Konik-Pferd ausgewählt. Dieses ist ein ursprünglich in Polen beheimatetes besonders genügsames und zähes Pony. Der Name Konik stammt aus dem Polnischen und bedeutet "Pferdchen".

Das Konik entstand zu Beginn des 19. Jahrhunderts aus der Kreuzung der letzten europäischen Wildpferde, dem Waldtarpan, mit Hauspferden. Später, ab den 1930er Jahren, versuchte man durch Zucht das Wildpferderbe zu erhalten bzw. den Waldtarpan zurückzuzüchten. Vor allem in Polen existieren heute mehrere Gestüte und Forschungsinstitute die sich mit der Zucht dieser urtümlichen Pferderasse beschäftigen.

Charakteristisch sind die braune bis mausgraue Färbung mit schwarzem Aalstrich auf dem Rücken, Zebrastreifung an den Beinen und stark entwickelte Mähne, Stirnschopf und Schweif.

Die Rasse gilt als besonders robust und nässetolerant und eignet sich daher besonders gut für eine ganzjährige Freilandhaltung.

Biologische Vielfalt & Naherholung

Großräumige Weidelandschaften mit einem niedrigen Besatz anspruchsloser Weidetiere bieten vielfältige Biotopstrukturen für eine artenreiche Tier- und Pflanzenwelt. Gleichzeitig entsteht eine reich gegliederte Landschaft in der auch der Mensch Erholung und Naturgenuss finden kann.

Eine besondere Rolle spielen dabei die "halbwilden" Weidetiere die in naturnahen Herdenverbänden die Landschaft beleben und zur Beobachtung ihres komplexen Sozialverhaltens einladen.

Erste Schritte

In der Windheimer Marsch soll daher in den nächsten Jahren schrittweise eine ausgedehnte Weidelandschaft entstehen. Hierzu wurden zunächst einige im Besitz der öffentlichen Hand befindliche Flächen eingezäunt und jeweils eine kleine Rinder- und Pferde-Herde eingebracht. In Zukunft sollen weitere Flächen, vor allem ehemalige Auskiesungsbereiche, einbezogen werden.

Die Umsetzung des Beweidungsprojektes obliegt dem Verein Biologische Station Minden-Lübbecke und dem Aktionskomitee "Rettet die Weißstörche im Kreis Minden-Lübbecke" e.V.

Schottische Hochland-Rinder

Bei den in der Windheimer Marsch eingesetzten Rindern handelt es sich um Schottische Hochlandrinder (Scotish Highland Cattle). Dieses extrem wiederstandsfähige Fleischrind zeichnet sich durch sehr geringe Futteransprüche, Langlebigkeit und eine hohe Toleranz gegenüber nassen Standorten aus.

Typisch sind der kurze Kopf mit breiter Stirn, das sehr lange, geschwungene Horn, hell- bis dunkelbraunrotes oder fast schwarzes Fell mit ausgeprägt langem Oberhaar und sehr dichtem Unterhaar, eine in das Gesicht fallende Stirnmähne und buschig behaarte Ohren. Das Hochlandrind gilt als ausgesprochen gutmütig und winterfest.

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