Arten- und blütenreiche Wiesen gehen seit Jahrzehnten kontinuierlich zurück. Dabei zählen sie zu den wertvollsten Lebensräumen für die biologische Vielfalt. Sie bieten zahlreichen Insektenarten Nahrung und Lebensraum und bilden damit eine wesentliche Grundlage für komplexe Nahrungsnetze sowie die Funktionsfähigkeit von Ökosystemen.
Eine bewährte Methode zur Entwicklung artenreicher Grünlandbestände – beispielsweise bei der Umwandlung ehemaliger Ackerflächen in extensiv genutztes Grünland – ist die sogenannte Mahdgutübertragung. Hierbei wird frisch gemähtes, feuchtes Mähgut von einer artenreichen Spenderfläche auf eine zuvor vorbereitete Zielfläche ausgebracht. Das Mähgut enthält Samen zahlreicher krautiger Pflanzenarten und Gräser, die auf der Zielfläche keimen und sich bei geeigneter Pflege zu einem artenreichen Wiesenbestand entwickeln können.
Im Juni dieses Jahres wurde dieses Verfahren auf einer Fläche am Naturschutzgebiet Nordholz angewendet. Ziel war es, eine ehemalige Ackerfläche nach ihrem Erwerb durch die öffentliche Hand in artenreiches Grünland zu überführen. Die Einsaat handelsüblicher Saatgutmischungen, die häufig züchterisch behandelte Arten und einen sehr hohen Anteil an Gräsern enthalten, ist nur begrenzt zur Entwicklung artenreicher Wiesen geeignet. Demgegenüber ermöglicht die Mahdgutübertragung die Etablierung standortangepasster, regionaler Pflanzenarten. Da sich im Naturschutzgebiet Nordholz einige der artenreichsten Wiesen des Kreises Minden-Lübbecke befinden, wurde das Mahdgut von einer unmittelbar benachbarten Spenderfläche gewonnen.
Bereits in den Jahren 2012 und 2013 wurde diese Methode auf angrenzenden Flächen erfolgreich umgesetzt. Auch in diesem Fall wurde ein Fachunternehmen mit der Durchführung beauftragt. Das zuvor frisch gemähte und in Schwaden abgelegte Mähgut wurde mithilfe eines Maishäckslers direkt auf einen Miststreuer verladen und gleichmäßig als feines Mulchmaterial auf der vorbereiteten Zielfläche verteilt. Die Fläche war zuvor so vorbereitet worden, dass optimale Bedingungen für die Keimung der übertragenen Samen geschaffen wurden.
Die Entwicklung einer artenreichen Wiese erfordert jedoch Geduld. Bis sich ein stabiler und artenreicher Pflanzenbestand etabliert, können mehrere Jahre vergehen. Trotz des zunächst oft ungewohnt wirkenden Erscheinungsbildes der Fläche (zunächst keimen viele Ackerwildkräuter) stellt die Mahdgutübertragung eine nachhaltige und naturschutzfachlich wertvolle Maßnahme zur Wiederherstellung artenreicher Grünlandlebensräume dar. Mit zunehmender Entwicklung des Pflanzenbestandes entstehen Lebensräume für zahlreiche Tierarten: Blüten bieten Nektarquellen für Schmetterlinge und andere Bestäuber, strukturreiche Vegetation dient Heuschrecken als Lebensraum, und Amphibien wie Frösche und Molche können die Wiese als Wanderkorridor zu den neu angelegten Laichgewässern nutzen.